ERDENWERK - Lebenszyklus Vier - LAGA Bad Nenndorf

ERDENWERK - Lebenszyklus Vier - LAGA Bad Nenndorf

ERDENWERK

LEBENSZYKLUS IV

Zwischen dem Boden, auf dem wir wachsen, den Wurzeln, die uns tragen, und einer Erde, die uns eigentlich gar nicht gehört.

Wir alle stehen auf derselben Erde.

Und trotzdem beginnt keiner von uns auf demselben Boden.

Manche Menschen wachsen mit Liebe, Sicherheit und Menschen auf, die sagen: Ich halte dich. Versuch es. Ich bin da.

Andere müssen sich diesen Boden erst suchen. Manche müssen ihn sich sogar selbst schaffen, bevor überhaupt etwas wachsen kann.

Denn wir Menschen sind der Natur viel ähnlicher, als wir glauben.

Wir brauchen Nahrung, Licht, Wasser, Raum und Zeit. Wir brauchen gute Bedingungen, um uns entwickeln zu können. Und wir brauchen Wurzeln, die uns halten, wenn das Leben stürmisch wird.

Vielleicht haben wir nur vergessen, wie viel von dem, was uns trägt, gar nicht von uns selbst kommt.

Und damit entstand die zentrale Frage unserer vierten und letzten Ausstellung auf der Landesgartenschau Bad Nenndorf 2026:

Was lässt uns wachsen – und was wächst durch uns weiter?

ERDENWERK.

Auf welchem Boden stehen Sie eigentlich?

Wir wollten ERDENWERK dort beginnen lassen, wo alles beginnt.

Bei der Erde unter unseren Füßen.

Deshalb begegnen den Besuchern unterschiedliche Getreidesorten, Erden, Rinden, Wurzeln und natürliche Materialien.

Getreide ist dabei weit mehr als ein dekoratives Element.

Es steht für eine der grundlegendsten Leistungen unserer Erde: Sie ernährt uns.

Wir leben von dem, was auf ihr wächst, und nehmen es gleichzeitig oft als selbstverständlich hin.

Dabei hängt die Entwicklung einer Pflanze von erstaunlich vielen Faktoren ab.

Der richtige Boden, ausreichend Wasser, Licht, Nährstoffe, Platz und Zeit entscheiden darüber, ob ein Samen überhaupt die Möglichkeit bekommt, sich zu entwickeln.

Und beim Menschen?

Ist es nicht ähnlich?

Was passiert mit einem Kind, das ohne Sicherheit aufwächst? Was geschieht mit einem Menschen, dem niemand etwas zutraut? Wie entwickelt sich jemand, der ständig kämpfen muss, während andere auf einem Boden stehen, der ihnen von Anfang an alles bietet?

Wir sprechen gerne davon, dass jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist.

Aber wir vergessen dabei häufig, dass nicht jeder mit denselben Voraussetzungen beginnt.

Ist Wachstum wirklich nur eine Frage des eigenen Willens?

Oder sollten wir häufiger darüber nachdenken, auf welchem Boden ein Mensch überhaupt wachsen musste?

Wann haben Sie zuletzt Erde berührt?

Wir haben unterschiedliche Erden in die Ausstellung integriert, die unsere Besucher bewusst anfassen dürfen.

Denn obwohl wir täglich von der Erde leben, verlieren wir zunehmend den direkten Kontakt zu ihr.

Wir kennen Lebensmittel aus Verpackungen, Pflanzen aus Töpfen und Blumen aus Vasen.

Aber wie oft nehmen wir tatsächlich Erde in die Hand?

Wie unterschiedlich fühlt sie sich an?

Wie riecht sie?

Wie viel Leben steckt in etwas, das wir im Alltag häufig einfach nur als Schmutz betrachten?

Erde ist keine tote Masse.

Sie ist ein komplexer Lebensraum und die Grundlage unzähliger Kreisläufe.

Und vielleicht beginnt Wertschätzung genau dort, wo wir etwas wieder bewusst wahrnehmen.

Was gibt Ihnen Halt?

Im zweiten Lebenszyklus URKRAFT haben wir unsere Besucher am Kraftbaum gefragt:

Was gibt Ihnen Kraft?

Die Antworten waren so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Familie, Kinder, Partner, Freundschaften, Erinnerungen, Hoffnung, Liebe oder die Natur.

Dabei wurde etwas sichtbar, das uns für ERDENWERK nicht mehr losgelassen hat.

Viele unserer größten Kraftquellen sind keine Dinge, die wir besitzen.

Es sind Verbindungen.

Menschen, Erfahrungen und Beziehungen, die uns geprägt haben und die oft längst Teil unseres eigenen Lebens geworden sind.

Genau diese Verbindungen wurden in ERDENWERK zu Wurzeln.

Denn Wurzeln sind das, was eine Pflanze ernährt und ihr Halt gibt, obwohl wir sie meistens gar nicht sehen.

Auch wir besitzen solche unsichtbaren Wurzelwerke.

Unsere Herkunft, Familie, Freunde, Kinder, Partner, unsere Berufung und Menschen, die uns auf unserem Lebensweg begleitet haben.

Manche dieser Wurzeln reichen weit zurück.

Andere entstehen erst im Laufe unseres Lebens.

Und manche bemerken wir überhaupt erst, wenn sie fehlen.

Wer oder was gibt Ihnen Halt?

Eine starke Wurzel verhindert keinen Sturm

Das Leben hält sich selten an unsere Vorstellungen.

Wir verlieren Menschen, scheitern mit Plänen, erleben Krankheiten, Enttäuschungen oder Veränderungen, die wir uns niemals ausgesucht hätten.

Manchmal kommt vieles gleichzeitig.

Deshalb haben wir in ERDENWERK auch die Kraft von Stürmen aufgegriffen.

Mit Bewegung, Wind und Wellen, die sinnbildlich für die Herausforderungen unseres Lebens stehen.

Denn selbst ein Baum mit starken Wurzeln kann einen Sturm nicht verhindern.

Aber seine Wurzeln entscheiden mit darüber, ob er ihm standhalten kann.

Bei uns Menschen ist das nicht anders.

Wir können nicht alles kontrollieren, was uns begegnet.

Aber wir können Verbindungen schaffen, die uns tragen, wenn unsere eigene Kraft nicht mehr ausreicht.

Vielleicht besteht Stärke deshalb gar nicht darin, alles alleine auszuhalten.

Vielleicht besteht sie darin, Menschen zu haben, bei denen wir es nicht müssen.

Wir haben nicht nur Wurzeln. Wir sind Wurzeln.

Dieser Gedanke war für mich einer der wichtigsten bei der Entwicklung von ERDENWERK.

Denn wir sprechen häufig darüber, wer uns unterstützt, wer uns geprägt hat und wem wir etwas verdanken.

Aber irgendwann verändert sich die Perspektive.

Für wen sind wir selbst eine Wurzel?

Für unsere Kinder?

Unsere Partner?

Unsere Freunde?

Für Menschen, denen wir Wissen vermitteln oder die wir in einer schwierigen Zeit begleiten?

Unsere verschlungenen Wurzelwerke und ineinandergreifenden Formen stehen deshalb für Verbindungen, deren Anfang und Ende sich nicht immer eindeutig bestimmen lassen.

Nichts existiert vollkommen für sich allein.

Alles ist auf irgendeine Weise miteinander verwoben.

Und wir können nicht nur Nahrung aufnehmen.

Wir können selbst etwas weitergeben.

Vielleicht braucht der Mensch neben uns gerade etwas, das wir besitzen.

Zeit.

Aufmerksamkeit.

Wissen.

Mut.

Oder einfach jemanden, der sagt: Ich bin da.

Wir können nicht jeden retten.

Aber wir können bemerken, wenn neben uns jemand Halt braucht.

Vielleicht ist genau das Nächstenliebe.

Nicht die ganze Welt retten zu müssen, sondern den kleinen Teil Erde um uns herum ein bisschen besser zu hinterlassen, als wir ihn vorgefunden haben.

Was wächst aus Wissen?

In einem weiteren Werkstück schweben Bücher, zwischen denen Zickzacksträucher ihre Wurzeln auf Buchstaben legen. Dazwischen befinden sich kleine Bonsaibäume und ein Rondell mit Asparagus.

Auch dieses Werkstück erzählt von Wachstum.

Allerdings von einer Form, die wir nicht unmittelbar mit Pflanzen verbinden.

Denn Wissen ist ebenfalls Nahrung.

Wir Menschen beginnen nicht bei null.

Wir wachsen mit den Erfahrungen, Erkenntnissen und Gedanken anderer Generationen auf.

Jemand vor uns hat geforscht, gelernt, Fehler gemacht, verstanden und sein Wissen weitergegeben.

Dadurch können wir an einem Punkt beginnen, den andere erst nach vielen Jahren erreicht haben.

Aber Wissen wirft auch Fragen auf.

Wenn wir etwas lesen, übernehmen wir es dann einfach?

Oder hinterfragen wir es?

Lassen wir fremde Gedanken in uns wachsen, ohne sie zu prüfen?

Und wann wird aus übernommenem Wissen eine eigene Erkenntnis?

Wenn Wissen Wurzeln schlägt – wessen Gedanken wachsen dann eigentlich?

Ein Gedanke kann einen Menschen überleben.

Vielleicht ist das eine der faszinierendsten Möglichkeiten, etwas von uns weiterzugeben.

Was hält eine Gemeinschaft zusammen?

Für ERDENWERK haben wir auch einen Würfel aus unzähligen einzelnen Zapfen und Verbindungen geschaffen.

Jedes Element ist für sich genommen klein.

Erst durch die Verbindung entsteht eine größere Form.

Dieses Werkstück steht für Gemeinschaft.

Denn wir Menschen neigen dazu, individuelle Leistung besonders hoch zu bewerten.

Wer hat etwas erreicht?

Wer war erfolgreich?

Wer hat etwas geschaffen?

Dabei übersehen wir schnell, wie viele Menschen im Hintergrund beteiligt waren.

Familien, die unterstützen. Freunde, die auffangen. Kollegen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die Wissen weitergeben oder einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Auch unsere vier Ausstellungen wären ohne ein solches Netzwerk nicht möglich gewesen.

Vielleicht sollten wir deshalb häufiger fragen, was wir gemeinsam tragen können, statt ausschließlich darüber nachzudenken, was jeder Einzelne leisten muss.

Und gleichzeitig stellt sich eine weitere Frage:

Kann Abstand eigentlich verbinden?

Denn Verbindung bedeutet nicht zwangsläufig, dass alles dicht aneinanderliegen muss.

Manchmal braucht ein stabiles Gefüge auch Freiraum.

Warum beginnt nicht jeder mit denselben Chancen?

Ein weiteres Element sind unsere bewusst aus der Balance gebrachten Halbmonde.

Sie stehen für ein Ungleichgewicht, das wir aus unserem Alltag nur zu gut kennen.

Wir leben auf derselben Erde, aber wir starten nicht mit denselben Voraussetzungen.

Manche Menschen erhalten von Anfang an Sicherheit, Förderung und Möglichkeiten.

Andere müssen sich vieles mühsam erarbeiten.

Das bedeutet nicht, dass auf schwierigem Boden nichts wachsen kann.

Aber es bedeutet, dass Wachstum unterschiedlich viel Kraft kosten kann.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger schnell beurteilen, wie weit ein anderer Mensch gekommen ist.

Und häufiger fragen, welche Bedingungen ihm überhaupt zur Verfügung standen.

Denn nicht jeder, der kleiner geblieben ist, hatte weniger Potenzial.

Manchmal fehlten einfach Licht, Wasser oder Nährstoffe.

Was sehen wir wirklich von einem Menschen?

Wie bereits in unseren vorherigen Ausstellungen haben wir auch bei ERDENWERK die dritte Dimension und Spiegelungen bewusst eingesetzt.

Von außen erscheinen manche schwebenden Körper schwer und geschlossen.

Erst durch den Spiegel wird sichtbar, dass sich in ihrem Inneren eine ganz andere, blühende Welt befindet.

Auch das ist eine Geschichte über uns Menschen.

Wir sehen die Oberfläche.

Wir sehen, wie jemand aussieht, spricht oder sich verhält.

Aber wir kennen nicht automatisch seine Geschichte.

Wir wissen nicht, welche Erfahrungen ihn geprägt haben, welche Verluste er trägt oder welche Gedanken in ihm wachsen.

Manchmal glauben wir, einen Menschen verstanden zu haben, obwohl wir nur eine einzige Perspektive kennen.

Was verändert sich, wenn wir unseren Blickwinkel verändern?

Vielleicht entdecken wir dann etwas, das uns vorher vollkommen verborgen geblieben ist.

Unsere schwebenden Wurzeln, die sich zu berührenden Händen verbinden, führen diesen Gedanken weiter.

Denn wir sind nicht nur mit unserem eigenen Leben beschäftigt.

Wir greifen ineinander.

Wir beeinflussen einander.

Und manchmal reicht eine ausgestreckte Hand, damit jemand wieder Halt findet.

Warum wollen wir eigentlich immer schneller wachsen?

Getreidespiralen und unterschiedliche Wachstumsformen stehen in ERDENWERK für den Rhythmus der Natur.

Säen, wachsen, blühen, reifen und vergehen.

Ein Kreislauf, der sich nicht beliebig beschleunigen lässt.

Wir Menschen wollen dagegen ständig schneller, höher und weiter.

Wir vergleichen Entwicklungen, optimieren Abläufe und versuchen, aus möglichst wenig Zeit möglichst viel herauszuholen.

Aber einen Samen können wir nicht zwingen, schneller zu wachsen.

Wir können seine Bedingungen verbessern.

Wir können ihn versorgen.

Doch den eigentlichen Prozess müssen wir zulassen.

Vielleicht gilt das auch für uns Menschen.

Nicht jede Entwicklung lässt sich erzwingen.

Nicht jede Veränderung geschieht sofort.

Und nicht alles, was gerade unsichtbar bleibt, steht still.

Wir sind Teil dieses Kreislaufs – und nicht sein Mittelpunkt.

Nicht jedes Jahr unseres Lebens blüht

Baumstämme und Jahresringe erzählen eine weitere Geschichte.

Jeder Ring steht für ein Stück gelebte Zeit.

Gute Jahre.

Schwierige Jahre.

Phasen schnellen Wachstums und Zeiten, in denen die Bedingungen weniger günstig waren.

Auch wir tragen solche Jahresringe.

Nur sind unsere meistens nicht sichtbar.

Wir tragen Erinnerungen, Erfahrungen, Erfolge, Verluste und Veränderungen in uns.

Manche haben uns wachsen lassen.

Andere haben Spuren hinterlassen, die wir lieber nicht hätten.

Aber all das gehört zu unserer Geschichte.

Nicht jedes Jahr unseres Lebens blüht. Aber jedes gehört zu unserem Stamm.

Deshalb haben wir auch vergängliche Schnittblumen bewusst in ERDENWERK integriert.

Denn kaum ein anderes Gestaltungsmaterial zeigt uns den Kreislauf des Lebens so unmittelbar.

Eine Schnittblume trägt ihre gesamte Entstehung bereits in sich.

Sie ist gewachsen, hat Nährstoffe aufgenommen, wurde geschnitten, öffnet ihre Blüte, verändert sich und vergeht.

Manchmal geschieht dieser sichtbare letzte Abschnitt innerhalb weniger Tage.

Und trotzdem empfinden wir gerade diese Blüte als besonders wertvoll.

Vielleicht nicht, obwohl ihre Schönheit vergänglich ist.

Sondern gerade deshalb.

Wie hoch müssen wir wachsen, damit andere weiterkommen?

Bei der Entwicklung von ERDENWERK habe ich immer wieder an die nächste Generation gedacht.

An unsere Kinder.

Aber auch an all die Menschen, die nach uns kommen.

Wir versuchen, ihnen möglichst viel mitzugeben.

Sicherheit, Wissen, Liebe, Erfahrungen und Werte.

Und gleichzeitig müssen wir irgendwann akzeptieren, dass sie ihren eigenen Weg gehen werden.

Vielleicht besteht unsere Aufgabe deshalb nicht darin, sie dauerhaft an unseren Wurzeln festzuhalten.

Vielleicht sollten wir so stark wachsen, dass sie irgendwann von unserem höchsten Ast starten können.

Wie Samen im Wind.

Wir geben ihnen die Möglichkeit, weiterzufliegen, als wir selbst gekommen sind.

Wir können nicht bestimmen, wo sie landen.

Aber wir können dazu beitragen, dass sie gute Voraussetzungen haben, um eigene Wurzeln zu bilden.

Und genau dort verändert sich die Geschichte von ERDENWERK noch einmal.

Denn wir können unseren Kindern noch so viel Wissen, Liebe und Sicherheit mitgeben.

Was nützen starke Wurzeln, wenn wir ihnen keinen Boden hinterlassen?

Die Erde ist nur geliehen

Bis hierhin haben wir Erde vor allem als Sinnbild für unser menschliches Leben betrachtet.

Für Herkunft, Entwicklung, Beziehungen und das, was uns trägt.

Aber ERDENWERK handelt genauso von der tatsächlichen Erde.

Von dem Boden, auf dem wir stehen.

Von den Ressourcen, die wir nutzen.

Von Wasser, Pflanzen, Lebensräumen und den natürlichen Kreisläufen, ohne die unser Leben überhaupt nicht möglich wäre.

Wir sprechen gerne von unserer Erde.

Aber gehört sie uns wirklich?

Wir haben sie nicht erschaffen.

Wir haben sie übernommen.

Wir leben von ihr.

Und irgendwann geben wir sie weiter.

Keine Generation besitzt diesen Planeten für sich allein.

Vielleicht sollten wir deshalb auch unseren Begriff von Dankbarkeit überdenken.

Dankbarkeit bedeutet für mich nicht nur, etwas Schönes zu betrachten oder sich darüber zu freuen, was wir erhalten haben.

Dankbarkeit bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen.

Für Menschen, die uns tragen.

Für diejenigen, die auf uns angewiesen sind.

Für Wissen, das wir weitergeben können.

Und für eine Erde, die auch nach uns noch Leben ermöglichen muss.

Denn was wir heute verbrauchen, zerstören, erhalten oder neu entstehen lassen, wird Teil des Bodens sein, auf dem andere morgen stehen.

Vier Lebenszyklen – eine Geschichte

Mit ERDENWERK endet unsere Reise durch vier florale Ausstellungen auf der Landesgartenschau Bad Nenndorf 2026.

Vier Lebenszyklen, die wir selbst entwickelt, kuratiert und gemeinsam mit unserem Team umgesetzt haben.

Jede Ausstellung hatte ihre eigene Geschichte.

Und trotzdem gehörten sie von Anfang an zusammen.

FLORALE DUFTEXPLOSION – LEBENSZYKLUS I

Wir begannen mit einer Welt voller Möglichkeiten, Bilder, Reize und künstlich geschaffener Wirklichkeiten.

Frische, gefärbte, getrocknete und künstliche Blüten begegneten sich in einer Inszenierung, die gleichzeitig faszinieren und überfordern sollte.

Wir fragten, was eigentlich noch echt ist und ob wir dem vertrauen können, was wir sehen.

Dabei ging es nicht darum, künstliche Schönheit zu verurteilen.

Sondern darum, unsere Wahrnehmung zu hinterfragen.

Denn vielleicht haben wir in einer Welt voller Bilder vor allem eines verlernt: wirklich hinzuschauen.

URKRAFT – LEBENSZYKLUS II

Nach dieser Überfülle wollten wir zurück zu einer Kraft, die lange vor uns existierte.

Zur Natur, die sich Räume zurückholt, Grenzen überwindet und ihre eigenen Wege findet.

Schwebende Steine, überwucherte Möbel, Pflanzen und Nebel stellten unsere Vorstellungen von Kontrolle infrage.

Gleichzeitig beschäftigten wir uns mit unserer eigenen Widerstandskraft.

Am Kraftbaum erzählten uns die Besucher, was ihnen im Leben Kraft gibt.

Und wir begannen zu verstehen, wie sehr unsere Stärke mit anderen Menschen verbunden ist.

ERBLÜHEN – LEBENSZYKLUS III

Danach richteten wir den Blick nach innen.

Wir gaben menschlichen Gefühlen florale Formen und machten aus nackten Schaufensterfiguren Träger von Liebe, Trauer, Angst, Hoffnung und vielen weiteren inneren Zuständen.

Wir fragten, wie Gefühle aussehen würden, wenn sie einen Körper hätten.

Und ob wir überhaupt erkennen können, was in einem anderen Menschen vorgeht.

Denn wir alle fühlen.

Aber wir fühlen nicht alle gleich.

ERDENWERK – LEBENSZYKLUS IV

Und schließlich kamen wir dort an, wo alles beginnt.

Bei der Erde.

Bei unseren Wurzeln.

Bei den Bedingungen, unter denen wir wachsen, und bei den Menschen, die uns tragen.

Wir haben uns gefragt, was uns Halt gibt, für wen wir selbst eine Wurzel sind und was durch uns weiterwachsen kann.

Und am Ende führte uns diese Geschichte zu unserer Verantwortung für den Planeten, auf dem wir alle leben.

Warum wir diese vier Ausstellungen geschaffen haben


Für mich war dieses Projekt weit mehr als eine floristische Ausstellung.

Es war die Möglichkeit, mit meinem Team zu zeigen, wie viel unser Beruf tatsächlich erzählen kann.

Natürlich können wir einen wunderschönen Blumenstrauß binden.

Aber Floristik kann viel mehr.

Sie kann Gedanken begehbar, Gefühle sichtbar und Erinnerungen greifbar machen.

Sie kann Menschen irritieren, zum Nachdenken bringen und selbst schwierige Themen so in Schönheit übersetzen, dass wir bereit sind, uns mit ihnen auseinanderzusetzen.

Dafür braucht es nicht immer Antworten.

Manchmal reicht eine Frage, die jemand mit nach Hause nimmt.

Und vielleicht war genau das unser Anspruch bei allen vier Lebenszyklen.

Wir wollten nicht einfach viermal eine schöne Blumenhalle gestalten.

Wir wollten vier Geschichten erzählen, die etwas miteinander zu tun haben.

Denn wir können nicht über Schönheit sprechen, ohne über unsere Wahrnehmung nachzudenken.

Wir können nicht über Natur sprechen, ohne unsere eigene Verletzlichkeit zu erkennen.

Wir können nicht über Gefühle sprechen, ohne uns zu fragen, was Menschen brauchen.

Und wir können nicht über Wachstum sprechen, ohne Verantwortung für den Boden zu übernehmen, auf dem es stattfindet.

Damit schließt sich für mich der Kreis.

Wir werden auf unterschiedlichen Böden geboren.

Wir wachsen in unterschiedliche Richtungen.

Wir entwickeln unterschiedliche Wurzeln und tragen unterschiedliche Geschichten in uns.

Aber unter all diesen Unterschieden liegt dieselbe Erde.

Wir haben von ihr gelebt.

Wir wurden von Menschen getragen.

Wir durften wachsen.

Und irgendwann wird entscheidend sein, was wir selbst weitergegeben haben.

Vielleicht ist das die eigentliche Verbindung zwischen allen vier Lebenszyklen:

Nicht alles, was schön ist, ist echt. Nicht alles, was stark ist, bleibt unverändert. Nicht alles, was wir fühlen, ist sichtbar. Und nicht alles, was uns trägt, gehört uns.

Diese Erde ist uns nur für eine begrenzte Zeit anvertraut.

Deshalb möchte ich unsere vier Ausstellungen nicht mit einer Antwort beenden.

Sondern mit einer Frage:

Wenn diese Erde nur geliehen ist – in welchem Zustand geben wir sie zurück?

 


VIDEO ERDENWERK:

VIDEOBESCHREIBUNG ERDENWERK - Klicke auf das Bild!

Welche Musik spielt auf der LAGA bei ERDENWERK?

Die Musik in der Blumenhalle der Landesgartenschau in Bad Nenndorf haben wir mit KI über SUNO erstellt. Um die Playlist zu hören klicke einfach auf diesen Text.

 


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FOTOGRAFIE:

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