FLORALE DUFTEXPLOSION - Lebenszyklus EINS - LAGA Bad Nenndorf
Share
FLORALE DUFTEXPLOSION
LEBENSZYKLUS I
Zwischen Wirklichkeit, Wahrnehmung und einer Welt, in der alles gleichzeitig existiert.
Wir leben in einer Zeit, in der nahezu alles möglich scheint. Bilder entstehen von Dingen, die nie existiert haben. Räume werden erschaffen, die es nie gab. Künstliche Intelligenz erweitert unsere Welt und macht sichtbar, was vorher nur gedacht werden konnte. Realität und Konstruktion liegen inzwischen so nah beieinander, dass wir manchmal beginnen, den Unterschied zu verlieren.
Und damit entsteht eine Frage, die zunächst überhaupt nichts mit Floristik zu tun zu haben scheint: Was ist eigentlich noch echt?
Genau an diesem Punkt begann unsere erste Ausstellung auf der Landesgartenschau Bad Nenndorf 2026. Fotografie: Diana Frohmüller

FLORALE DUFTEXPLOSION.
Was ist gewachsen – und was wurde geschaffen?

In dieser Ausstellung haben wir echte Schnittblumen. gefärbte Schnittblumen, getrocknete und künstliche Blüten bewusst nebeneinandergestellt und gemischt.
Nicht als Wettbewerb.
Nicht mit der einfachen Botschaft, dass das eine gut und das andere schlecht ist.
Alles hat seine Berechtigung und kann Ausdruck von Gestaltung, Idee und Schönheit sein.
Weitere Frage die sich uns stellten, als wir die Ausstellung kuratierten:
- Ist unecht weniger wert?
- Ab wann ist eine Schnittblume nicht mehr "echt"
- Sind handgefertigte Silkflower aus Baumwolle unecht, obwohl es ein Naturprodukt ist?
-
Wenn sie gefärbt ist? Ist sie noch "echt"?
-
Ist es eine echte Blüte, wenn sie getrocknet ist?
-
Ist eine frische Schnittblume noch "echt" wenn sie in Gewächshäusern gezüchtet wird und keine Biene mehr ran darf?
-
Ist eine Rose ohne Duft „echt“? Denn dieser wurde von Menschenhand weggezüchtet, um die Haltbarkeit der Blüte zu verlängern.
-
Was ist gewachsen?
-
Was wurde geschaffen?
-
Erkenne ich den Unterschied noch?

Diese Irritation war gewollt.

Denn genau diese Unsicherheit begegnet uns inzwischen jeden Tag. Nicht nur zwischen künstlicher und natürlicher Blüte, sondern zwischen echten und generierten Bildern, zwischen Realität und Inszenierung, zwischen dem, was tatsächlich passiert, und dem, was uns gezeigt wird.
Es geht um das „was ist noch echt“ unserer Zeit. Diese Frage kann man genau so über Gesichter führen. Wann hört ein Gesicht auf „natürlich“ zu sein?
Nach Botox? Oder ab einem OP-Termin? Oder Ist es bereits mit Make -Up – Einsatz nicht mehr echt?

Die nächste Frage wäre: geht Natürlichkeit immer über Schönheit? Ist Schönheit nicht das Elixier. dass wir benötigen, um uns gut zu fühlen?
Damit führte uns die Floristik plötzlich zu einer viel größeren Frage unserer Gegenwart:
Vertrauen wir noch dem, was wir sehen – oder haben wir verlernt, wirklich hinzuschauen?
Wenn aus Fülle Überforderung wird
Gleichzeitig leben wir in einer Welt, die von Fülle geprägt ist.
Alles ist verfügbar. Jeder Moment kann gefüllt werden. Bilder jagen einander, Informationen kommen ohne Pause, Möglichkeiten scheinen unbegrenzt und Reize überlagern sich gegenseitig.
Schönheit wird dadurch irgendwann zur Masse.
Und genau dort beginnt die zweite Ebene der FLORALEN DUFTEXPLOSION.

Wir wollten Fülle nicht erklären. Wir wollten sie körperlich erfahrbar machen. Der Raum wurde zunehmend intensiver. Floristik wuchs in die Dimensionen hinein, Düfte trafen auf Farben, Formen auf Materialien und natürliche Blüten auf künstlich Geschaffenes. Der Besucher sollte nicht nur vor einem schönen floralen Werkstück stehen. Er sollte sich mitten darin befinden.
Denn Fülle ist zunächst faszinierend. Bis sie kippt.
Dann wird aus Vielfalt Reiz. Aus Auswahl Überforderung. Und aus etwas Besonderem etwas, das wir kaum noch bewusst wahrnehmen.
Die Ausstellung hielt genau diesen Moment fest: den Punkt, an dem Schönheit und Überfluss nicht mehr beruhigen, sondern fordern.

Warum ausgerechnet Duft?
Duft ist dabei vielleicht der ehrlichste unserer Sinne. Wir können die Augen schließen und wegsehen. Wir können entscheiden, etwas nicht anzufassen. Ein Duft dagegen erreicht uns häufig, bevor wir überhaupt entschieden haben, ob wir ihn wahrnehmen wollen. Und er kann etwas Bemerkenswertes. Ein einziger Geruch kann einen Menschen innerhalb von Sekunden Jahrzehnte zurückversetzen.
Zu einem Garten.
Zu einer Hochzeit.
Zu einer Großmutter.
Zu einem Menschen, der vielleicht längst nicht mehr da ist. Deshalb wurde der Duft für uns zum Verbindungselement zwischen Realität, Erinnerung und Wahrnehmung.

Unsere floralen Duftexplosionen waren damit nicht nur spektakuläre Werkstücke. Sie standen für die Frage, was ein Reiz in uns auslösen kann – und wie viel davon wir überhaupt noch wahrnehmen, wenn permanent alles gleichzeitig um unsere Aufmerksamkeit kämpft.

Floristik als Sprache
Mit der ersten Ausstellung – Lebenszyklus I - in der Blumenhalle der Landesgartenshow in Bad Nenndorf wollten wir auch zeigen, was unser Handwerk für uns bedeutet.
Floristik beginnt für uns nicht erst beim Binden eines Blumenstraußes und endet dort schon gar nicht. Wir arbeiten mit Farben, Formen, Proportionen, Düften, Oberflächen und Vergänglichkeit. Vor allem aber arbeiten wir mit einem Material, das beim Menschen unmittelbar etwas auslösen kann. Deshalb kann Floristik erzählen.
Sie kann einen abstrakten Gedanken in einen Raum übersetzen. Sie kann irritieren, verführen und Erinnerungen auslösen. Und manchmal kann sie eine Frage stellen, ohne die Antwort gleich mitzuliefern.

Die FLORALE DUFTEXPLOSION war deshalb bewusst kein moralischer Zeigefinger gegen künstliche Welten, Konsum oder technische Entwicklung.
Sie war ein Spiegel unserer Gegenwart.
Eine Welt voller Möglichkeiten.
Eine Welt voller Schönheit.
Eine Welt, in der Realität und Konstruktion immer näher zusammenrücken.
Und eine Welt, die so voll geworden ist, dass wir manchmal nicht mehr wissen, wohin wir eigentlich schauen sollen.
Vielleicht müssen wir deshalb nicht weniger sehen.
Vielleicht müssen wir wieder genauer hinsehen.
Was ist gewachsen – und was wurde geschaffen?
Was davon berührt uns noch?
Damit begann unsere Reise durch vier Lebenszyklen.

Und nach all dieser Fülle führte uns der zweite Lebenszyklus in die vollkommen entgegengesetzte Richtung.
URKRAFT - finden sie in unserem nächsten Blog-Beitrag.
GÄRTNEREIEN UND HÄNDLER:
@campanulove
@bredefleur
@fgs.flowers
@peeters_hortensia_s
@portanovaroses
@mulderasparagus
@multi_color_flowers
@wigchert_noordwijkerhout
@klaverflowers
UMBAUTEAM FLORISTEN
TEAMLEITER:
@blumengalerie_lamstedt
@blumenschmidt
@rieke_rauchschwarz
UMBAUTEAM
TEAM MILLES FLEURS
@mygreenlivingroom
@immerbesonders.kraenze
@maikehansenblumen
@genialfloral @ziegler.gaby
@kreativservicebyvd
@katja.floraldesignforyou
@patixkinga
@blumeninspiration
@tabi.jaa
@floristik_landhaus
































































